Monatsarchiv für Mai 2006

Jeder Tag war ein Opfer

Sonntag, den 28. Mai 2006

Wo ist nur die Liebe hin? Jahrelang war sie im Mittelpunkt meines Denkens und Handelns. Sechzehn Einträge und von Liebe keine Spur…

Jeder Tag war ein Opfer des großen Gefühls. Es gab immer ein Leiden, eine Sehnsucht, ein sexuelles Treiben. Und alles, was an Leben geschah, befand sich nur darin motiviert. Mein Herz war schon immer für die großen Gefühle gemacht.

Sie hat sich verändert. Neben mir und um mich herum. Nicht mehr in unruhiger Bewegung und Ergründung, sondern in neuer Schönheit ungefragt, friedlich, leise und still. Liebe ist.

Unser Drittes

Dienstag, den 23. Mai 2006

So langsam vermute ich eine weitere Etappe im Alterungsprozess geschafft. Das Fernsehen ist mir zu laut und unruhig und irgendwie auch zu weit entfernt.

Innerhalb des Mediums probiere ich meine Flucht. Es braucht heutzutage ja nur noch eine Taste und kein Gedächtnis mehr. Im Öffentlichen angekommen, ist die Reise aber schnell beendet und ich fühle mich richtig gut dabei.

Es ist schwierig das Etwas einzukreisen. Ich bin da mittlerweile einfach näher dran. Näher noch als vor ein paar Jahren. Schleichend und still wurde ich wohl infiziert. Von der deutschen Harmonie.

Trostloser Himmel

Montag, den 22. Mai 2006

Heute war nur Regen. Teilweise heftig, zeitweise schwach, aber stets beständig in einer beruhigenden Melodie. Beinah wie ein Gedicht.

Der Himmel ganz grau. Unverschuldet umgibt mich eine Art von Harmonie und Frieden. Das ist Luxus. Die Rückkehr der Momente ins Zentrum.

Regen macht Geräusche und Töne. Das Leben kommt ganz nah heran. Und bringt mich damit in die Mitte zurück.

Die Zeit

Freitag, den 19. Mai 2006

So schön man sich die Zeit auch gestalten mag. In unseren üblichen Wochen glänzen einige Perlen ganz besonders heraus. Lichtblicke für Odyseen, jede Woche neu.

Mein Juwel und Streben liegt mittendrin im Wochenende. Da ist eine Phase von zwei, drei Stunden. Eine Oase abseits von Laut und Miteinander meiner Welt. Aber das ist es nicht, sondern nur Voraussetzung.

So hat wohl jeder seine Highlights und Höhepunkte. Schon vorab schöpfen wir vor lauter Vorfreude, gehen danach voller Mut in das Farblose zurück.

Wieder auf dem Schiff

Donnerstag, den 11. Mai 2006

So viele Monate habe ich an die Melancholie verloren. Eigentlich mag ich Melancholie. Aber nur für Momente und nicht für 24/7. Die Menge macht das Gift.

Jetzt ist es endlich wieder Zeit für das Leben. Flammen entzünden, Stürmen und Drängen, Lachen so laut ich vermag. Es überkommt wie ein Kunstlicht, gerade eingeschaltet. Der lange Atem war für jetzt und nicht für einfach nur dahin.

Wie aufgewacht und aufgedacht. Endlich wieder auf dem Schiff. Auf dem Kreuzzug ins Glück.

Wunderschönes Grau

Dienstag, den 2. Mai 2006

Ich kanalisiere meine Wut meist auf unschuldige Radiomoderatoren. Meine Gewaltphantasien, meinen stillen Wahnsinn.

Lasst es uns doch offen zugeben, wir sind auch nur Sklaven des Zentralgestirns. Wenn die Sonne scheint, dann lacht das Leben. Körper und Geist, sie bestimmt einfach massgeblich unser Glück. Eine neue, moderne Religion.

Sonnenkult ist zur Normalität geworden. Wir lieben es und verlangen danach. Wer Regen liebt, bleibt abseits.